Rohstoffe für IT-Produkte – nicht immer sauber

Die Produktion von IT-Hardware ist entlang der gesamten Lieferkette oft von Umweltschäden und schlechten Arbeitsbedingungen bis hin zur Zwangsarbeit geprägt. Zudem führen mineralische Rohstoffe wie Tantal, Zinn oder Wolfram teilweise zu gewaltsamen Konflikten und finanzieren bewaffnete Gruppen, etwa im Kongo. Um diese Risiken bei der Rohstoffbeschaffung zu minimieren, bietet sich die Wiederaufbereitung von IT-Hardware (Refurbished Hardware) als nachhaltige und Ressourcen schonende Alternative an.

Die Digitalisierung hat zwei Gesichter: Einerseits bietet sie viele Vorteile wie effizientere Prozesse, besseren Kundenservice, flexibleres Arbeiten oder die Schaffung neuer datenbasierter Geschäftsmodelle. Auf der anderen Seite erhöht sie den Bedarf an Ressourcen und Rohstoffen für die Produktion einer wachsenden Zahl von IT-Hardware, seien es Server, PCs, Notebooks, Smartphones oder Displays. Die Herstellung, Nutzung und Entsorgung der Geräte ist zudem teilweise mit erheblichen negativen Umweltauswirkungen und aus­beu­terischen Arbeitsbedingungen verbunden.

Zu den wichtigsten Rohstoffen für IT-Geräte gehören Mineralien wie Zinn, Tantal, Wolfram, Kassiterit, Coltan, Wolframit und ihre Kon­zentrate sowie Gold und seltene Erden. Das Problem: Diese Rohstoffe werden häufig unter gefährlichen Bedingungen in Ländern ohne geeignete Sozial- und Umweltschutz-Standards abgebaut. In vielen Minen und Schmelzhütten herrschen miserabler Arbeitsschutz und Ausbeutung; häufig halten die Zulieferer die Arbeits- und Menschenrechte nicht ein und setzen skrupellos auf Zwangsarbeit, Gefängnisarbeit oder Kinderarbeit.

Konfliktmineralien

Zinn, Tantal, Wolfram und Gold gelten auch als sogenannte Konfliktmineralien, da die Einnahmen aus dem Handel mit diesen Mineralien verwendet werden, um den bewaffneten Konflikt in der Demokratischen Republik Kongo und den angrenzenden Staaten zu finanzieren. Denn häufig verwenden Truppen und Milizen die Gewinne der Bergwerke, um ihren eigenen Zielen näherzukommen. Oft sind sie auch für Gewalttaten und Menschenrechtsverstöße verantwortlich.

Auch bei der Produktion der IT-Geräte selbst herrschen oft schlechte Arbeitsbedingungen mit Löhnen unter dem Existenzminimum und Arbeitszeiten von mehr als 60 Stunden. Insbesondere der chinesische Zulieferer Foxconn, der unter anderem für Apple das iPhone zu­sammenbaut, geriet immer wieder in die Schlagzeilen. Ein weiteres Ärgernis sind riesige Müllkippen mit Elektroschrott in Afrika oder Asien, auf denen Arbeiter und Kinder versuchen, Wertstoffe aus alten Geräten wie PCs, Bildschirmen oder Smartphones zu gewinnen. Sie zertrümmern Displays, tauchen Platinen in starke Säuren oder atmen giftige Dämpfe ein, um wieder verwendbare Metalle zu er­zeu­gen – ohne Schutz unter höchst gesundheits- und umweltschädlichen Bedingungen.

Druck auf die Hersteller

All diese Punkte haben zu Bedenken und großer Kritik seitens Kunden, Lieferanten, Regulierungsbehörden oder Investoren sowie großen Imageproblemen geführt. Sie verlangen von den Herstellern von IT-Komponenten und Geräten Nachweise, dass die Mineralien und Me­tal­le aus ihren Lieferketten nicht zu Aktivitäten beigetragen haben, die Menschen Schaden zufügen. Sie sollen beispielsweise kon­flikt­frei sein, sprich keine militärische Partei aus Konflikt- und Hochrisikogebieten darf daran Geld verdienen. Zudem müssen die Hersteller bei der Weiterverarbeitung dieser Minerale zunehmend gesetzliche Regelungen, Branchen-Richtlinien oder interne Selbstverpflichtungen beachten. Hier einige Beispiele:

  • EU-Verordnung über Konfliktmineralien: Am 1. Januar 2021 wird in der EU die Verordnung über Konfliktmineralien in Kraft treten. Sie soll dabei helfen, den Handel mit vier Mineralien – Zinn, Tantal, Wolfram und Gold – einzudämmen, die mitunter zur Fin­anz­ierung bewaffneter Konflikte beitragen oder in Zwangsarbeit abgebaut werden.
  • OECD-Leitsätze zur Sorgfaltspflicht: Die OECD hat die „Leitsätze für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht zur Förderung ver­antwortungsvoller Lieferketten für Minerale aus Konflikt- und Hochrisikogebieten“ (Due Diligence Guidance for Responsible Supply Chains of Minerals from Conflict-Affected and High-Risk Areas) entwickelt. Sie zielen darauf ab, Unternehmen mit konkreten Handlungsempfehlungen bei der Einhaltung der Menschenrechte zu unterstützen.
  • Responsible Business Alliance (RBA): Die RBA ist die weltweit größte Industriekoalition, die sich der sozialen Verantwortung von Unternehmen in globalen Lieferketten verschrieben hat. Ziel des RBA Code of Conduct ist es, bessere soziale, ökonomische und umweltbezogene Ergebnisse für alle Beteiligten in der Elektronik- und IKT-Lieferkette zu erzielen.
  • Dodd-Frank Act: In den USA wurde 2010 mit dem Dodd-Frank Wall Street Reform and Consumer Protection Act (kurz: Dodd-Frank Act) ein Gesetz verabschiedet, das erstmals verbindliche Vorschriften für Unternehmen zum Umgang mit Konfliktmineralen beinhaltet. In Abschnitt 1502 werden die an der US-Börse gelisteten Unternehmen verpflichtet, die Verwendung von Konfliktmineralen in ihren Produkten offenzulegen und jährlich für das vorangegangene Jahr Bericht zu erstatten.
  • European Partnership for Responsible Minerals: Multi-Stakeholder-Partnerschaft mit dem Ziel, den Anteil verantwortungsvoll produzierter Mineralien aus konflikt- und risikoreichen Gebieten zu erhöhen und einen verantwortungsvollen Abbau von Mineralien zu unterstützen.
  • Public-Private Alliance for Responsible Minerals Trade (PPA): Branchenübergreifende Initiative, die konfliktfreie Lieferketten für Mineralien in der Demokratischen Republik Kongo und der Great Lakes Region in Zentralafrika verbessert.
  • Humanity United Foundation zu Arbeitsbedingungen: Das Ranking von KnowTheChain, einem Projekt der Humanity United Foundation, bewertet Technologieunternehmen danach, wie aktiv sie im Kampf gegen Ausbeutung und Zwangsarbeit in ihrer Lieferkette sind und dafür sorgen, dass ihre Zulieferer die Arbeits- und Menschenrechte einhalten.

Refurbished Hardware als nachhaltige Alternative

Um diese Risiken bei der Rohstoffbeschaffung zu minimieren, bietet sich die Wiederaufbereitung von IT-Hardware (Refurbished Hardware) als nachhaltige und Ressourcen schonende Alternative an. Hintergrund: Viele Unternehmen tauschen ihre Hardware oft schon nach drei Jahren aus. Wenn Firmen ihre Hardware ausrangieren, bedeutet das aber noch lange nicht, dass diese Geräte überholt oder nicht mehr zeitgemäß sind. Denn es kann sein, dass andere Unternehmen etwa mit geringeren Ansprüchen an Bandbreite oder Rechenleistung diese Hardware noch verwenden können. Auch ökologisch gesehen wäre es besser, Hardware so lange wie möglich zu nutzen.

In den letzten Jahren ist in allen Branchen die Nachfrage nach gebrauchten beziehungsweise wiederaufbereiteten IT-Geräten gestiegen. Die Green IT Solution GmbH hat sich auf Refurbished Hardware spezialisiert und leistet damit einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz. Das Unternehmen kauft vor allem Netzwerk-Komponenten wie Server, Router oder Switches an und bereitet sie wieder auf. Diese Geräte haben einen niedrigen Verschleiß und kommen meist von Kunden aus einer staubfreien und unbelasteten Umgebung. Damit ist der Aufwand für das Refurbishment im Vergleich zu anderen Geräten geringer. Zudem sind  Server, Router und Switches sehr preisstabil und weisen auch nach fünf Jahren noch einen hohen Restwert auf.

Weitere Informationen auch zu den Vorteilen von Refurbished Hardware finden Sie in diesem Blogbeitrag.


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