Das Recht auf Reparatur rückt näher

Das Recht auf Reparatur rückt näher
09 Dez 2019

Die EU-Kommission sagt dem Elektromüll den Kampf an. Sie verschärft die Ökodesign-Richtlinie und will die Reparatur von Elektrogeräten wie Fernsehern, Monitoren und Kühlschränken vereinfachen. Von 2021 an müssen Hersteller bestimmter Elektrogeräte Ersatzteile und Anleitungen an Reparaturbetriebe liefern. Verbraucherschützern geht das nicht weit genug. Sie fordern umfangreichere Maßnahmen.

Riesige Müllkippen mit Elektroschrott in Afrika oder Asien, auf denen Arbeiter und Kinder versuchen, Wertstoffe aus alten Geräten wie PCs, Bildschirmen oder Smartphones zu gewinnen. Sie zertrümmern Displays, tauchen Platinen in starke Säuren oder atmen giftige Dämpfe ein. Wer kennt diese Bilder des Elends nicht? Ein Großteil des Elektroschrotts stammt aus Europa, meist wurde er illegal exportiert. Warum aber landen tonnenweise Elektrogeräte im Müll? Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass sie so schwer zu reparieren sind.

Viele Geräte lassen sich oft schon vom Design her nicht mehr reparieren, die Reparatur ist zu teuer oder es gibt schlichtweg keine Ersatzteile auf dem freien Markt, weil die Hersteller sie nicht zur Verfügung stellen. Schließlich ist das Geschäft mit dem Reparieren von Hardware sehr lukrativ, oder die Hersteller wollen ihre Kunden gleich zum Neukauf von Produkten zwingen. Das Problem: Die Hersteller von Elektronikgeräten sind bisher nicht gesetzlich verpflichtet, Ersatzteile und Informationen für die Reparatur bereitzustellen. Ergebnis ist eine Wegwerf-Gesellschaft, die Ressourcen verschwendet und die Umwelt schädigt.

EU-Kommission verschärft Ökodesign-Richtlinie

Die EU-Kommission sagt diesem ökologischen Irrsinn jetzt den Kampf an. Sie verschärft die Ökodesign-Richtlinie und will die Reparatur von bestimmten Elektrogeräten vereinfachen, um die Verbraucher in Europa sowie auch die Umwelt besser zu schützen. Die Ökodesign-Richtlinie legt Anforderungen an das Produktdesign fest, um den Energieverbrauch und die Umweltwirkungen von Elektrogeräten unter Berücksichtigung des gesamten Lebensweges zu mindern.

Vor kurzem hat die EU-Kommission neue Ökodesign-Maßnahmen für Produkte wie Kühlschränke, Waschmaschinen, Geschirrspüler und Fernsehgeräte beschlossen, die vor allem dem Grundsatz „Energieeffizienz an erster Stelle“ folgen. Enthalten sind zudem erstmals Anforderungen an die Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit von Geräten. Die neuen Regeln sollen mit Beginn des Jahres 2021 in Kraft treten.

Die Vorschriften für Energieeffizienz und andere Anforderungen gelten für folgende zehn Produktgruppen: Kühlgeräte, Waschmaschinen, Geschirrspüler, elektronische Displays (einschließlich Fernsehgeräten), Lichtquellen und separate Betriebsgeräte, externe Netzteile, Elektromotoren, Kühlgeräte mit Direktverkaufsfunktion (z. B. Kühlschränke in Supermärkten oder Verkaufsautomaten für Kaltgetränke), Leistungstransformatoren und Schweißgeräte. Kühlgeräte mit Direktverkaufsfunktion und Schweißgeräte sind erstmals Gegenstand entsprechender Rechtsakte, bei den anderen acht Produktgruppen wurden die Richtlinien erweitert. Die geltenden Anforderungen an die Haltbarkeit von Beleuchtungsprodukten und den Wasserverbrauch von Geschirrspülern und Waschmaschinen wurden ebenfalls angepasst.

Reparatur wird einfacher

Folgende Ökodesign-Maßnahmen zielen darauf ab, die Reparatur von Produkten zu erleichtern. Kernpunkt ist, dass Ersatzteile noch lange nach dem Kauf lieferbar sind, zum Beispiel

  • mindestens sieben Jahre nach dem Kauf von Kühlgeräten (Türdichtungen zehn Jahre);
  • mindestens zehn Jahre nach dem Kauf von Haushaltswaschmaschinen sowie Haushaltswaschtrocknern;
  • mindestens zehn Jahre nach dem Kauf von Haushaltsgeschirrspülern (bei bestimmten Ersatzteilen, deren Zugang auf fachlich kompetente Reparateure beschränkt werden kann, sieben Jahre);
  • Zudem muss der Hersteller während dieses Zeitraums dafür sorgen, dass die Ersatzteile innerhalb von 15 Arbeitstagen geliefert werden und
  • die Ersatzteile mit allgemein erhältlichen Werkzeugen ausgetauscht werden können, ohne dass das betreffende Gerät dauerhaft beschädigt wird.
  • Zur Unterstützung der Reparaturbranche müssen die Hersteller dafür sorgen, dass den fachlich kompetenten Reparateuren Informationen zur Reparatur und zur professionellen Wartung zur Verfügung stehen.

Umwelt wird geschont

Die EU-Kommission schätzt, dass sich durch all diese Maßnahmen bis 2030 jährlich Endenergieeinsparungen von 167 Terawattstunden (TWh) erzielen lassen. Dies entspricht dem jährlichen Energieverbrauch Dänemarks und kommt einer Einsparung von über 46 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent gleich. Ein weiterer positiver Effekt: Durch diese Maßnahmen können die europäischen Haushalte laut EU-Kommission durchschnittlich 150,- Euro pro Jahr einsparen.

Verbraucherschützer begrüßen die neuen Maßnahmen der EU für stromsparendere Geräte und vor allem für eine einfachere Reparierbarkeit und eine Pflicht zur Ersatzteil-Lieferung für Elektrogeräte. Allerdings sehen sie noch Nachholbedarf. So fordern sie beispielsweise, dass die EU die Regeln für Ersatzteile auch auf PCs, Notebooks, Smartphones und Tablets ausweitet. Zudem sollen die Ersatzteile nicht nur Fachbetrieben für die Reparatur zur Verfügung stehen, sondern auch Privatleuten. Erst dann wäre das Recht auf Reparatur komplett umgesetzt. Ein weiterer Schritt wäre die europaweite Ausweitung der gesetzlichen Gewährleistungsfristen, damit Hersteller die Lebensdauer von Haushaltsgeräten verbessern.

Epilog: Refurbished Hardware für mehr Umweltschutz

Auch Unternehmen können ihren Elektromüll verringern, wenn sie auf wiederaufbereitete Hardware zurückgreifen, sogenannte Refurbished Geräte. Die Green IT Solution GmbH hat sich auf Refurbished Hardware spezialisiert und leistet damit einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz. Das Unternehmen kauft vor allem Netzwerk-Komponenten wie Server, Router oder Switches an und bereitet sie wieder auf.

Die Kunden von Green IT Solution profitieren in vielerlei Hinsicht. Da das Unternehmen die Hardware professionell wiederaufbereitet und gründlich testet, gibt es eine erweiterte Garantie von zehn Jahren auf alle Produkte. Bei der Qualität gibt es daher keinen Unterschied zwischen einem neuen und gebrauchten Gerät. Durch die langen Garantiezeiten können Firmen gegenüber dem Neupreis Ersparnisse von bis zu 70 Prozent erzielen, und sie leisten einen großen Beitrag zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Green IT Solution hat in Zusammenarbeit mit dem Green Design Institute der Carnegie Mellon University den Green IT Calculator entwickelt. Damit können Firmen ihre eingesparten Ressourcen für jedes gebrauchte Gerät messen.


Stefan Winklhofer