Jahresrückblick 2025 & Ausblick im Refurbished-IT-Markt 2026

Gemeinsam mit unserem Director Strategy & Corporate Development Jan Schillinger werfen wir einen Blick auf den Refurbished-IT-Markt. Was hat sich 2025 getan? Wie ist der Status quo? Und was könnte das neue Jahr mit sich bringen?

2025 war ja ein turbulentes Jahr für die gesamte deutsche Wirtschaft, auch für den Refurbished-IT-Markt. Wie würdest du die aktuelle Marktsituation zusammenfassen?

Jan: 2025 war vor allem durch eine starke Markt-Konsolidierung geprägt. Es gab weniger große Projekte, und der Wettbewerb um Ausschreibungen hat deutlich zugenommen. Das führt zu merklich höheren Einkaufspreisen.

Warum gab es weniger große Aufträge?

Jan: Viele Unternehmen verlängern mittlerweile ihre Nutzungszyklen und verschieben geplante Neuanschaffungen. Der klassische 36‑Monate-Zyklus existiert in dieser Form kaum noch. Oft liegen Kostengründe zugrunde – oder die bestehende Hardware erfüllt schlicht weiterhin die Anforderungen. Dadurch bleiben Geräte länger im Einsatz.

Und wie war das Jahr für Green IT?

Jan: Für uns war 2025 ein besonderes Jahr – wir haben unser zehnjähriges Jubiläum gefeiert. Die große Feier in Ellwangen war definitiv ein Highlight!

Natürlich haben auch wir die wirtschaftliche Lage gespürt. Dennoch konnten wir neue Großkunden gewinnen, darunter ein großes Rechenzentrumsprojekt mit der Rückführung und Löschung von über 2.000 Servern.

Gleichzeitig haben wir 2025 intensiv genutzt, um interne Prozesse weiter zu optimieren.

Wie steht es um das Image von refurbished Hardware? Gibt es noch Vorbehalte?

Jan: Das Image hat sich spürbar verbessert, aber Vorbehalte existieren weiterhin. Privatkunden haben refurbished Hardware längst akzeptiert. Unternehmen benötigen jedoch mehr Sicherheit und Verlässlichkeit.

Die häufigsten Fragen drehen sich um:

  • Qualität: Funktionieren die Geräte langfristig?
  • Technische Prüfung: Sind Akkus und Komponenten getestet oder getauscht?
  • Sicherheit & Support: Was passiert im Problemfall? Welche Garantien gelten?

Viele Unternehmen haben noch immer das Gefühl, nicht genau zu wissen, was sie bei generalüberholter Hardware bekommen. Daran arbeiten wir konsequent.

Was tun wir bei Green IT, um diese Vorbehalte abzubauen?

Jan: Wir setzen auf maximale Transparenz und Standardisierung. Jeder Arbeitsschritt wird dokumentiert, wir arbeiten nach klar definierten Qualitätsstandards gemäß ISO-Zertifizierungen. Zusätzlich bieten wir umfangreiche Serviceleistungen wie Fotodokumentation oder Shredder-Videos an, um Transparenz walten zu lassen und das Vertrauen des Kunden zu gewinnen.

Unser digitales Kundenportal SPECT ermöglicht es Kunden, unsere Prozessschritte in Echtzeit zu verfolgen.

Aufklärung ist ein weiterer wichtiger Aspekt: Viele Vorbehalte basieren schlicht auf Unwissenheit oder einem veralteten Image.

Werfen wir einen Blick auf das neue Jahr. Was erwartet uns 2026?

Jan: Aus meiner Sicht werden drei Entwicklungen besonders relevant:

  1. Nachholeffekte: Viele Unternehmen haben 2025 Neuanschaffungen verschoben – diese Investitionen stehen 2026 an, inklusive der entsprechenden Rückführungen.
  2. Technologische Anforderungen: KI wird neue Impulse setzen. Viele Unternehmen prüfen gerade, ob ihre bestehenden Flotten KI-Workloads überhaupt bewältigen können.
  3. Engpässe bei Speichermodulen: Seit Q3/2025 spürbare Lieferengpässe könnten Hardware – neu wie refurbished – vorübergehend teurer machen.

Wie wird weiterhin mit dem Thema Nachhaltigkeit umgegangen?

Jan: Mit der EU‑CSRD wird Nachhaltigkeit ab 2026 für viele Unternehmen zur verbindlichen Reportingpflicht. Refurbishment ist ein wirkungsvoller Hebel, weil Rückführungen und die Nutzung von refurbished Hardware vollständig dokumentierbar sind. Diese Daten lassen sich direkt in ESG‑Reports einbinden – Nachhaltigkeit wird dadurch messbar, vergleichbar und strategisch relevant.

Wird sich an unserem Angebot etwas ändern?

Jan: Ja – wir wollen bewusst weg vom reinen Handel mit gebrauchten Geräten. Unser Ziel ist es, Kunden über zusätzliche Services noch stärker zu begeistern und das Thema Nachhaltigkeit weiter in den Vordergrund zu stellen

Dazu gehört:

  • der weitere Ausbau unseres YNEW-Mitarbeitershops, in dem berechtigte Mitarbeitende aussortierte Unternehmens-Hardware privat erwerben können,
  • sowie der Ausbau unserer professionell aufbereiteten Geräteangebote für klassische B2B-Kunden.

Außerdem werden wir unsere Social-Media-Kanäle – ob LinkedIn, Instagram oder TikTok – weiterhin aktiv nutzen, um Themen wie Nachhaltigkeit, CSR, Wiedervermarktung und Refurbishment noch sichtbarer zu machen.
Auch in 2026 wird es viele spannende Einblicke geben – reinschauen und folgen lohnt sich!

Vielen Dank für die spannenden Einblicke, Jan!


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